FAZ 25.09.2026
12:04 Uhr

Fraktur: Dann müsste Klopp Kanzler  und Bundespräsident werden


Wenn die nächsten Spiele der Fußball-Nationalmannschaft besser ausgehen als gegen die Niederlande, wird eine schon schwelende Forderung wieder aufflammen.

Fraktur: Dann müsste Klopp Kanzler  und Bundespräsident werden

Mit einem Unentschieden gegen Holland kann Fußball-Deutschland angesichts der unvergessenen Vorfälle in der Geschichte dieser Rivalität nicht zufrieden sein. Bundestrainer Klopp und Bundeskanzler Merz sollten dem Fußballgott aber für den Ausgang danken, schließlich können beide nun ihre Ämter behalten, fürs Erste. Denn hätte Adeyemi seine hundertprozentige Chance verwandelt oder der fliegende Holländer Gakpo die seinige versemmelt wie Adeyemi, dann wäre das Spiel eins oder zwei zu null für uns ausgegangen. Und dann wäre sofort nach Abpfiff die Forderung wieder aufgeflammt, dass man einen wie Klopp als Bundeskanzler haben müsse. Dem Mann mit der schwarz-rot-goldenen Mütze, der unsere Fahne von der AfD zurückerobern will, wird ja zugetraut, nicht nur seiner Mannschaft neuen „Spirit“ einzuhauchen, sondern damit auch ganz Deutschland. Und wenn einer aus einer Gurkentruppe auf dem Fußballplatz eine Siegermannschaft formen kann, dann sollte ihm das doch wohl auch mit diesem Bundeskabinett gelingen. Bärbel Bas ist ja ein Mädel Auch Klopp selbst ist zum Äußersten bereit. Hat man dagegen schon einmal von Merz gehört, dass er für seine Jungs durchs Feuer gehen würde? Könnte er doch ohne Weiteres sagen, Bärbel Bas ist ja ein Mädel. So eine coole Kappe, wie Klopp sie trägt, schadete Merz auch nicht. Die Aufschrift „Noch einer von 83 Millionen“ würde verdeutlichen, dass er sich nicht für etwas Besonderes hält. Das wäre zudem eine weitere klare Abgrenzung zur AfD, denn diese Zahl umfasst auch die in Deutschland lebenden Ausländer. Auf der Basecap einer Kanzlerin Weidel stünden dagegen höchsten 71 Millionen (Staatsangehörige), vielleicht aber auch nur 60 Millionen (Biodeutsche). Nicht mehr viele Gedanken über die Inschrift müsste Merz sich wohl machen, wenn unsere Nationalmannschaft in den nächsten Spielen jeden Gegner vom Platz fegte. Dann würde bestimmt nicht nur gefordert werden, dass Klopp Bundeskanzler werden müsse, sondern in Personalunion auch noch Bundespräsident. Stimmt, eine Zusammenlegung beider Ämter hatten wir schon mal und damit nicht die besten Erfahrungen gemacht. Aber „the normal one“ wäre ja über jeden Zweifel erhaben. Als Spielführer Deutschlands könnte er auch Bundestrainer bleiben und sich im Stadion austoben. Steinmeier hat im Frühjahr fertig In der Präsidentenfrage pressiert es nun ja ebenfalls. Im Frühjahr hat Steinmeier fertig, und noch immer ist die Entscheidung nicht gefallen, wer ihm nachfolgen soll. Weil alles mit allem zusammenhängt: Wird Aigner Bundespräsidentin, kann Söder nicht Bundeskanzler werden. Einen derartigen CSU-Overkill an der Spitze des Staates hielten nicht nur alle Linken in Deutschland, sondern auch viele in der CDU und sogar verdiente CSUler für unerträglich. Söder, in Bayern ausbefördert und lustloser als unsere aussortierten Nationalspieler, sieht jetzt seine allerletzte Chance gekommen, doch noch ins Kanzleramt einzuziehen. Würde Aigner Staatsoberhaupt und Wüst Kanzler, dann riefe Söder wie seinerzeit Heide Simonis: „Und was wird jetzt aus mir?“ Dann müsste man seinen Untertanen wirklich wünschen: „Gott mit dir, du Land der Bayern!“ Selbst ein Sieg Münchens im Wettstreit, welche Stadt sich um die Olympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben darf, würde Söder nicht mehr trösten. Verliert aber Bayern ausgerechnet gegen NRW und Söder somit gegen Wüst, dann kennt der Frust des Franken keine Grenzen und natürlich auch keinen Länderfinanzausgleich mehr. Apropos Olympia: Wir finden es erstaunlich, dass nach dem Sieg der Liebe und der Gerechtigkeit in Berlin der politisch bestens vernetzte Remmo-Clan nicht den Rückzug der Bewerbung verhinderte. Es wäre ja jede Menge Knete in die Stadt geflossen, an der das organisierte Verbrechen hätte teilhaben können. Auch verstehen wir nicht, warum die AfD in Magdeburg nicht noch schnell eine Bewerbung für die Olympischen Spiele in zehn Jahren abgab, die Partei hat doch einen Sinn für historische Anspielungen. Vielleicht denkt man in ihren Reihen aber eher an die Fußball-Weltmeisterschaft 2038, bei der dann eine großdeutsche Mannschaft den Holländern ordentlich eins auf die Mütze gäbe.